Pegasus jetzt staatlich anerkannt

Erste Abschlussklasse bringt der Fachschule für Jugend- und Heimerziehung großen Erfolg.

  1. Die Prüfung als Jugend- und Heimerzieher bestanden: Die Freude ist zurecht groß. Foto: heidi ast

ORTENAU (asth). Es war ein anstrengender Weg für die Absolventen der Schutterwälder Fachschule für Jugend- und Heimerziehung "Pegasus": 17 Schüler freuen sich jetzt über ihren bestandenen Abschluss in diesem Bereich der Erzieherausbildung. Gebührend gefeiert wurden die ausnahmslos guten Abschlüsse auf dem Rüttihof bei Diersburg. Von den 17 Prüflingen waren vier schulfremd und haben nur die Prüfung abgelegt. Der mit 57 Jahren älteste Teilnehmer, Thomas Vogel, der seinen Zugang zur Ausbildung über seine bisherige Arbeit als Reittherapeut fand, bestand seine Prüfung mit Bravour. Die Ausbildung dauert zwei Jahre.

Schwierig war die Situation der Schule, da sie zwar bis dato staatlich genehmigt, aber noch nicht anerkannt war. Das bedeutet, die gesamte Ausbildung wurde privat finanziert über Spenden und das monatliche Schulgeld der Schüler von je 150 Euro. Die Berufsbezeichnung des Jugend- und Heimerziehers kommt ein wenig altmodisch daher, verbindet manch einer damit vielleicht noch Szenen wie aus Oliver Twist. "Aber die Situation hat sich völlig verändert, und der Bedarf an Fachpersonal ist hoch", so Martin Schneider, Leiter der Schule. Die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen kommen nicht nur aus zerrütteten Familienverhältnissen, sondern auch aus Kriegsgebieten. Sie sind Folter- oder Missbrauchsopfer und werden in Familien oder Wohngruppen untergebracht. Um eine pädagogisch wertvolle Arbeit leisten zu können, braucht es eine spezielle Ausbildung, die in ganz Deutschland aber nur von privaten Trägern geleistet wird, wozu eben auch Pegasus in Schutterwald zählt.

Gute Aussichten für die Absolventen

So sind die Unterrichtsfächer breit aufgestellt. Die Schüler erlangen Grundlagenwissen in Bereichen wie Diagnostik und Intervention, Gesprächsführung und Focusing. Aber auch erlebnisorientierte Pädagogik nimmt einen großen Platz während der zweijährigen Ausbildungszeit ein. Fast alle Absolventen hätten bereits einen Platz für ihr Anerkennungsjahr, und der Zustrom an zu betreuenden Jugendlichen reiße nicht ab, erklärte Steiner. So geht Sonja Erb (34) nach Freiburg, wo sie auf einem Abenteuerspielplatz in einem Viertel mit starkem Migrationshintergrund arbeiten wird. Dass ihre ursprüngliche Ausbildung zur Kauffrau "nicht mein Ding ist", habe sie schnell gemerkt. Aljosha Erk (26) hat sein Pädagogikstudium abgebrochen, weil es ihm zu theoretisch war. Entdeckt hat er das Schulangebot von "Pegasus" auf der Berufsinfomesse in Offenburg: "Es war der kleinste Stand, aber die Gespräche haben mich überzeugt." Seine Schwerpunkte liegen im Sport und in der Musik, speziell im Rap: "Das ist ein guter Weg, um die Jugendlichen zu erreichen." Da würden für ihn persönliche Leidenschaft mit der Arbeit perfekt zusammen passen.

Entwickelt hat sich die Schule aus der seit 20 Jahren bestehenden, Jugendhilfeeinrichtung von Kurt Schley. Er freut sich über den guten Abschluss der Gruppe. "Heute ist ein Abschied und auch ein Neubeginn", gab Martin Steiner. Er zitierte zuletzt den Kinderpsychologen Bruno Bettelheim: "Liebe allein genügt nicht."

Dann gab es Bratwurst und Salate, um verdient zu feiern.