Gründung der PEGASUS Fachschule in Schutterwald

Hilfsbedürftigkeit wächst

In Schutterwald wurde eine neue Fachschule für Jugend- und Heimerzieher ins Leben gerufen.

  1. Schulleiter Stephan Watter (l.) und Geschäftsführer Kurt Schley vor dem Gebäude, das auch die Fachschule für Heimerzieher beherbergt. Foto: siefke

 SCHUTTERWALD. Seit wenigen Wochen gibt es in Schutterwald eine neue Bildungseinrichtung: Die Pegasus Fachschule für Jugend-und Heimerzieher wurde offiziell genehmigt. Laut Geschäftsführer Kurt Schley gibt es in diesem Berufsfeld bundesweit einen starken Fachkräftemangel. Aufgrund der gesellschaftlichen Umbruchsituation wachse die Hilfsbedürftigkeit vieler junger Leute.

Schley spricht von einem "besonderen pädagogischen Konzept": Alle Lehrkräfte seien bereits in der Jugendhilfe tätig gewesen und verfügten über breitgefächerte Erfahrung im stationären und ambulanten Jugendhilfebereich. Der Träger der Schule ist zugleich Träger der stationären Jugendhilfeeinrichtung Pegasus in Schutterwald: Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihres Verhaltens nicht mehr in ihrem familiären Alltag leben können. Die jungen Menschen sind verhaltensauffällig oder auch in ihrer Entwicklung gestört, leiden an Hyperaktivität, Lernschwächen, Angststörungen oder Autismus.
"Wir wollen unser Erfahrungswissen weitergeben", nennt Schley als Motivation für die Schulgründung. Erwachsenen zwischen 20 und 45 Jahren soll Mut gemacht werden, in der Jugendhilfe tätig zu werden. Außerdem sorge so ein Schulbetrieb für frischen Wind. Manches werde hinterfragt. Angesprochen sind Menschen, die mindestens die mittlere Reife haben und ein Jahr im sozialpflegerischen Bereich tätig waren – diese Zeit wird als Vorpraktikum anerkannt. Es besteht die Möglichkeit, die Schule in Vollzeit für zwei Jahre oder in Teilzeit innerhalb des dualen Systems für drei Jahre zu besuchen. Da eine Privatschule erst nach drei Jahren finanzielle Unterstützung vom Staat erhält, muss Schulgeld erhoben werden: 150 Euro im Monat für die Vollzeitausbildung, 100 Euro für die Teilzeit. Der Unterricht beginnt in der Regel um 8.15 Uhr und umfasst Fächer wie Psychologie und Pädagogik, den musisch-kreativen Bereich, Methodik und Didaktik, aber auch mit Deutsch, Gemeinschaftskunde und Staatsbürgerkunde Fächer der Allgemeinbildung. Schulleiter ist der Jurist Stephan Watter, der bereits seit zehn Jahren in der Jugendhilfe Pegasus tätig ist und dort als Geschäftsführer arbeitet. Er unterrichtet vier Doppelstunden pro Woche Rechts- und Berufskunde.

Die pädagogischen Leitlinien basieren auf der humanistischen Idee, betont Schley. Der Mensch lernt in Beziehungen und zwar auf Augenhöhe: Hierarchische Strukturen werden abgelehnt. Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und glaubwürdiges Auftreten gelten als die drei Hauptpfeiler. Schley ist ausgebildeter Gesprächstherapeut und lehrt an der Heidelberger Akademie für Psychotherapie. Er ist davon überzeugt: "Es gibt keine hoffnungslosen Fälle." Der Mensch sei mehr als die Summe seiner Probleme.

Derzeit besuchen zehn Schülerinnen und Schüler die neue Einrichtung in der Burdastraße im Schutterwälder Industriegebiet. In dem Gebäude sind auch die Räume von Schleys Kinder- und Jugendpsychiatrischer Praxis untergebracht. Wenn sich ausreichend neue Interessenten finden, soll im April ein neuer Kurs beginnen.